Komplexe Information
Wahrheit sichern, ohne den Menschen aus der Entscheidung zu verdrängen
Aktuelle Angstlage
Gesellschaften erleben derzeit einen massiven Vertrauensverlust:
- Verlust gemeinsamer Wahrheiten
- Zunahme von Desinformation und „Fake News“
- Unsicherheit darüber, wem und was noch geglaubt werden kann
Der Reflex ist häufig:
➡ mehr Kontrolle, mehr Verifikation, mehr Automatisierung
Doch genau dieser Reflex erzeugt ein neues Problem.
Kernproblem
Klassische IT-Systeme kennen nur eine Form von Wahrheit:
- logisch überprüfbar
- formal konsistent
- maschinell verifizierbar
Diese Form ist notwendig – aber sie ist nicht ausreichend, um menschliche Kommunikation, Bedeutung und Vertrauen zu stabilisieren.
Wenn jede nicht vollständig berechenbare Aussage als „falsch“ oder „irrational“ behandelt wird, entsteht:
- epistemischer Druck
- Misstrauen gegenüber Institutionen
- emotionale Abwehr gegen „offizielle Wahrheiten“
Das begünstigt Fake News – nicht ihre Eindämmung.
Erweiterter Wahrheitsbegriff durch komplexe Information
Komplexe Information trennt zwei Ebenen von Wahrheit:
- Reelle Wahrheit überprüfbar, messbar, logisch konsistent
- Imaginäre Wahrheit Bedeutung, Kontext, subjektive Gewissheit, Erfahrung
Beide sind nicht gleichwertig, aber gleichzeitig notwendig.
Fake News entstehen dort, wo diese Ebenen vermischt oder verdeckt werden.
Was Fake News tatsächlich sind
Fake News sind nicht primär „falsche Fakten“, sondern:
- emotional aufgeladene Aussagen
- mit unterdrücktem oder verfälschtem reellem Anteil
- die sich als objektive Wahrheit ausgeben
Das Problem ist Intransparenz, nicht Emotionalität.
Die Lösung: Transparenz statt Unterdrückung
Mit komplexer Information wird jede Aussage strukturell lesbar als:
- reeller Anteil vorhanden / nicht vorhanden / unvollständig
- imaginärer Anteil dominant / untergeordnet / offen
Damit gilt:
- Emotionen sind erlaubt
- Bauchentscheidungen sind legitim
- aber sie werden nicht mehr als Fakten maskiert
Wahrheit wird nicht abgeschafft – sie wird präziser.
Nutzen für Gesellschaft und Systeme
Für Institutionen
- klare Trennung zwischen Fakten, Bewertung und Bedeutung
- höhere Glaubwürdigkeit
- geringere Polarisierung
Für Bürgerinnen und Bürger
- Orientierung statt Bevormundung
- Sicherheit, ohne Zwang zur vollständigen Rationalisierung
- weniger Anfälligkeit für Desinformation
Strategische Empfehlung
Wahrheit braucht zwei Schutzmechanismen:
erstens: harte, überprüfbare Fakten (reeller Anteil) zweitens: einen legitimen Bedeutungsraum (imaginärer Anteil)
Wer nur auf erstens setzt, verliert Vertrauen. Wer erstens aufgibt, verliert Realität.
Fazit
Fake News entstehen nicht, weil Menschen emotional sind. Sie entstehen, weil Systeme keine Struktur für Emotion und Bedeutung vorsehen.
Komplexe Information schützt Wahrheit, indem sie den Menschen nicht aus ihr verdrängt.


